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Individual perSonal data Auditable addrEss Number

ISÆN-Studie

  • Projektverantwortlicher:
    Prof. Dr.-Ing. Thomas Zahn
  • Auftraggeber:
    BMWi - smart data Begleitforschung
  • Projektfinanzierung:
    35.000
  • Laufzeit:
    01.07.2016 bis 30.09.2016
  • Projektpartner:
    Forschungszentrum Informatik Karlsruhe (Konsortialführer)
    Frauenhofer Institut für experimentielles Software Engineering
    IT Service Omikron GmbH
    Peter Schaar - Bundesbeauftragter für Datenschutz a. D.

Das Internet ist für viele Menschen ein unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Von der Digitalisierung werden zunehmend alle Lebensbereiche erfasst. Fast alle Nutzer von Internet-Diensten hinterlassen beim täglichen Gebrauch "elektronische Spuren". Einen Teil ihrer persönlichen Daten geben die Nutzer nach dem Prinzip "Bezahlen mit Daten" freiwillig preis. Die meisten Dienstanbieter sammeln diese erhobenen Daten mit oder ohne bewusste Zustimmung der Nutzer. Mittels Big-Data- Anwendungen können diese Daten genutzt werden, um das Verhalten einer Person oder Gruppe durch personenbezogene Auswertungen (bspw. Scoring, Profiling, Personalising, Tracking) zu analysieren und vorherzusagen. Nicht immer steht dieser Prozess im Einklang mit den Anforderungen des Datenschutzes und des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung.

Eine unkontrollierte Datensammlung und das Geschäft mit persönlichen Daten, die freiwillig (Opt-in) und widerstandslos (Opt-out) gesammelt wurden, kann die Privatsphäre der Bürger unserer Gesellschaft gefährden. Zum berechtigten Schutz seiner Privatsphäre müssen dem Internet-Nutzer Mechanismen zur Verfügung gestellt werden, die ihm das Grundrecht auf den Schutz seiner Daten gewährleisten können. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es dem Nutzer ermöglichen, Internet-Dienste zu verwenden, ohne auf seinen berechtigten Anspruch auf Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung zu verzichten.

Für den Nutzer ist es kaum noch nachvollziehbar, welche Daten von welchen Dienstanbietern über ihn erhoben, verarbeitet und an Dritte weitergegeben werden. Es droht nicht nur ein Kontroll - verlust über die Verwendung der Daten, auch die potentielle und reale Gefahr eines sogenannten Identitätsdiebstahls wird stetig größer. Um Missbrauch vorzubeugen, sollte der Internet-Nutzer über Informationen verfügen, wer Daten über ihn gespeichert hat, welche Daten das sind und auf welchem Weg (freiwillig, direkt, über Dritte, ...) diese Daten an den Internet-Dienstanbieter gelangt sind.

Dieser Ansatz wird von einer französischen (Standardisierungs-) Initiative verfolgt. Jedem Nutzer wird eine eindeutige Nummer ISÆN (Individual perSonal data Auditable addrEss Number) so zugeteilt, dass jederzeit alle Informationen über die Lokalisierung und Nutzung der persönlichen Daten, die mit dieser Nummer verknüpft sind, abgerufen werden können. Die Daten eines Nut zers sollen dazu mit Watermarks versehen und der Transfer von Daten durch Blockchains verwaltet werden. Die Navigation des Nutzers durch seine Daten(-spur) im Internet könnte dann mit einem GPS verglichen werden: ein GDPS (Global Data Positio - ning System). In der ISÆN-Studie wurde untersucht, inwiefern eine eindeutige ISÆN und die eingesetzten Technologien Blockchain und Watermarking geeignete Optionen sind, um Datenschutzziele zu erreichen und den Konflikt zwischen dem Recht der Nutzer auf Datenschutz und der Sammlung von Daten durch Internet-Dienstanbieter zu entschärfen.

Die französische Standardisierungsinitiative ISÆN (Individual perSonal data Auditable addrEss Number) beschreibt ein Konzept, welches es Bürgern bei der Nutzung von Internet-Dienstleistungen ermöglichen soll, die Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten zu behalten. Die Datenschutzprinzipien Transparenz und Nachvollziehbarkeit sollen hierbei durch technische Maßnahmen gestärkt werden. Mit ISÆN sollen betroffene Personen jederzeit nachvollziehen können, wer welche ihrer personenbezogenen Daten verarbeiten darf. Darüber hinaus sollen sie diese Rechte jederzeit einschränken können. Eine Weitergabe personenbezogener Daten findet nur dann statt, wenn die betroffenen Personen dazu eingewilligt haben.

Technologisch sieht das ISÆN-Konzept die Einführung eines eindeutigen Bezeichners (der ISÆN-Identifier), eines Blockchain-Netzwerks sowie Anwendungen für Personen (Benutzer), bspw. durch eine Smartphone-App, vor. In der Blockchain sollen Repräsentationen von Datenschutzeinwilligungen manipulationssicher, transparent und nachvollziehbar gespeichert werden. Die individuellen, personenbezogenen Daten sollen - z. B. durch biometrische Verfahren geschützt - in der jeweiligen Anwendung der Benutzer gespeichert und durch diese, erst nachdem die Person eine Autorisierung erteilt hat, an Dienstleister übertragen werden.

Die auf Basis von ISÆN angedachte Unterstützung zur Umsetzung von Datenschutzgrundsätzen mittels technischer Maßnahmen stellt einen vielversprechenden Ansatz dar. Die Verwendung eines einsehbaren, manipulationssicheren Speichers kann sowohl für Dienstanbieter im Hinblick auf entsprechende Dokumentations- und Informationspflichten hilfreich sein, als auch für Personen, um jederzeit Erkundigungen über Zugriffe auf ihre personenbezogenen Daten einholen zu können.

Die im ISÆN-Konzept zum Einsatz kommende Blockchain-Technologie stellt ebenso einen vielversprechenden Ansatz zur nachvollziehbaren und sicheren Aufzeichnung der Datenbewegungen von Benutzern dar. Insbesondere die für eine datenschutzkonforme Ausgestaltung bzw. Umsetzung notwendigen Implementierungsentscheidungen sollten in Folgeprojekten (insbesondere mit den französischen Partnern) untersucht werden.

ISÆN, so die Hypothese des Forschungsteams, könnte das Potenzial besitzen, der elektronischen Identifizierung und dem Anbieten von Vertrauensdiensten für elektronische Transaktionen im EU-Binnenmarkt zu einem Durchbruch zu verhelfen. Grundsätzlich ist es wünschenswert, die Verwendung von Identifizierungssystemen auch im Privatsektor weiter voranzutreiben, insbesondere, um das Vertrauen in den elektronischen Geschäftsverkehr zu stärken.

Die bbw Hochschule übernahm im Projekt drei Arbeitspakete:

Arbeitspaket 1:
Die Erarbeitung einer Übersicht und einer kurzen Einschätzung vergleichbarer Ansätze wie z. B. von

  • Identifikationssystemen in Deutschland und
  • ein Überblick über rechtliche Rahmenbedingungen für Identitätsmanagementsysteme.
Arbeitspaket 2:
Die technologische Bewertung von ISÆN Daten und GPS.

Arbeitspaket 3:
Die Bewertung der Machbarkeit
  • eines "Daten-GPS" und der regulatorischen Anforderungen an ein "Daten-GPS", insbes. im Hinblick auf Datenschutz und ggf. die Einbindung beweisrechtlicher Aspekte,
  • die Bewertung der technischen Umsetzungsmöglichkeiten rechtlicher Rahmenbedingungen und
  • die Einschätzung des Nutzenpotentials zur Erreichung von Datenschutzzielen.
Im Ergebnis der Forschungsprojektarbeit wurde die ISÆN-Studie im Rahmen des deutsch-französischen Gipfels im Oktober 2016 durch die Bundeskanzlerin an den französischen Staatspräsidenten übergeben.

Die Publikation der Projektergebnisse erfolgte durch das Forschungszentrum Informatik im Februar 2017.

Die öffentliche Übergabe an den Abteilungsleiter Digitalisierung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erfolgte am 22.03.2017 auf der Cebit 2017 im BMWi Spezialforum "Dezentrale Transaktions- und Geschäftsmodelle durch sicheres Identity Management und Blockchain".

Die ISÆN-Studie wurde wegen der großen internationalen Nachfrage 2018 auch ins Englische übersetzt. Im Mai 2018 soll deren Fortsetzung im Rahmen der smart Services-Begleitforschung vom BMWi beauftragt werden.

Die ISÆN-Methode soll im Health Reality Lab Network Projekt gemeinsam mit den französischen Partnern für Anwendungsfälle im Gesundheitswesen getestet werde