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Interview

Mit Künstlicher Intelligenz die Versorgung auf dem Land sichern

Experten sehen in der Künstlichen Intelligenz (KI) großes Potenzial für das Gesundheitswesen. Von den zahlreichen KI-Projekten hat es bisher aber noch keines in die Regelversorgung geschafft. Wie Krankenkassen wie die AOK Nordost Erfolg versprechenden KI-Anwendungen den Weg in die Praxis ebnen können, erklärt Professor Thomas P. Zahn vom Gesundheitswissenschaftlichen Institut Nordost (GeWINO).

Ein Interview der AOK Nordost mit Prof. Dr.-Ing. Thomas P. Zahn

Geschäftsführer des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK Nordost und Leiter des fib Forschungsinstituts der bbw Hochschule, Berlin (s. Presseinformation der AOK Nordost, www.aok.de/nordost/presse)

Professor Zahn, wie wird der Einsatz lernender Verfahren die Gesundheitsversorgung der Zukunft verändern?

Aus meiner Sicht gibt es derzeit drei Kernbereiche, in denen jetzt schon KI-Anwendungen
entwickelt werden, die die Gesundheitsversorgung sehr zeitnah positiv beeinflussen werden. Ein Bereich sind Entscheidungsunterstützungen für eine frühere und genauere DiagnosesteIlung für den Arzt, aber auch für den Patienten selbst. Daraus resultiert der zweite Bereich - nämlich die individuell optimierte Therapieentscheidung in Zeiten immer breiter werdender Therapieoptionen.

Was heißt das genau?

Die Therapievorschläge von KI-Systemen beruhen auf einer Vielzahl von Informationen und Experten-Erfahrungen, die ein einzelner Arzt selbst in diesem Umfang gar nicht gemacht haben kann. Künstliche Intelligenz oder besser gesagt lernende Systeme eröffnen hier neue Möglichkeiten aktuellste Erkenntnisse, Forschungsergebnisse und Leitlinien zu berücksichtigen.

Inwieweit beeinflusst das die Autonomie des Arztes?

Ganz klar: Die Entscheidung zu Diagnose und Therapie fällt am Ende immer der Arzt im persönlichen Dialog mit dem Patienten!

Welche Entwicklung von KI beobachten Sie im Bereich der therapeutischen Behandlung?

Das ist der dritte, bereits weit entwickelte Bereich, und zwar die Mensch-Maschine-Interaktion
während der medizinisch-therapeutischen aber insbesondere auch der Pflegetherapie. Hier werden Machine-Learning-Methoden eingesetzt, um die Kommunikation mit Robotern aber auch normalen Computern über die natürlichen menschlichen Sinne Sprache, Mimik und Gestik auch für physisch oder mental eingeschränkte Patienten zu ermöglichen, um therapeutische Ziele wie zum Beispiel Bewegungsfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstversorgung zu erhalten oder wieder herzustellen. Gerade in der Pflege bedeutet dies eine deutliche Entlastung der
Pflegenden. Aber auch bei der Rehabilitation von beispielsweise Schlaganfallpatienten können solche Systeme wertvolle Begleiter sein und bekannte Versorgungslücken schließen.

Warum sind die KI-Projekte, an denen die AOK Nordost beteiligt ist, aus Ihrer Sicht richtungsweisend?

Als Gesundheitskasse im Nordosten Deutschlands ist eine unserer Kernaufgaben, die Versorgung im ländlichen Raum für unsere Versicherten zukunftssicher zu gestalten. Die Folgen des demographischen und strukturellen Wandels auf dem Land können eben auch durch technische und lernende Systeme gelindert werden. Unsere Akzeptanzstudien mit intelligenten innovativen Startup-Lösungen (wie zum Beispiel casenio oder Ada Health) machen die Möglichkeiten und oft banalen Hürden intelligenter Systeme sichtbar und überwindbar. Um solche KI-Systeme praktisch nutzbar zu machen benötigen die Regionen und die Vordenker in den
Startups aber auch eine Basisinfrastruktur und finanzielle Mittel. Deshalb beteiligen wir uns an Förderprojekten des Bundes (z.B. SAHRA, HLaN und CAREcom) um Fördermittel für die Regionen einzuwerben und technische Infrastrukturen und Produkte bereitstellen zu können, für die das Sozialgesetzbuch als Handlungsrahmen der Krankenkassen derzeit noch keine Grundlagen bietet.

Gerade im ländlichen Raum wird er Zugang zu Versorgung vor allem für ältere Menschen schwieriger. Was ändert sich durch KI für die Hochbetagten?

Intelligente Systeme können z.B. Pflegende von wiederkehrenden Aufgaben entlasten, indem sie zum Beispiel Hochbetagte dabei unterstützen, regelmäßig zu trinken, Stürze zu vermeiden oder die Medikation regelmäßig einzunehmen. Hier setzen wir mit unserem Engagement als Stifter an und unterstützen zum Beispiel die Forschung im Einsteinzentrum Digitalisierung Berlin zu Themen wie Mensch-Maschine-Interaktion mit hochbetagten Pflegebedürftigen. Damit verfolgen wir das Ziel, den Pflegenden, ganz gleich ob Professionals oder Angehörigen, Unterstützung im Alltag einer immer älter werdenden Gesellschaft zu ermöglichen.

Warum beteiligen Sie sich an Forschungsprojekten mit wissenschaftlichen Einrichtungen wie DFKI und der Charité?

Unsere Beteiligung an EU- und BMBF-Förderprojekten zur Entwicklung lernender Verfahren in der Diagnostik und Therapie hat das klare Ziel, unseren AOK-Versicherten den Zugang zu den modernsten Methoden bei der Früherkennung und optimierten Therapieentscheidung zu ermöglichen und deren praktische Akzeptanz, aber auch den tatsächlich wahrgenommenen und messbaren Nutzen, zu bewerten.

Wo klemmt es derzeit noch im Bereich Künstliche Intelligenz im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung?

In Deutschland bewegen wir uns immer noch sehr auf der Basis öffentlich geförderter Forschungsprojekte, was den Einsatz von lernenden Verfahren angeht. Unsere Rolle als Kasse ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich diese Projekte, aber auch innovative Startup-Lösungen in der Praxis beweisen können und somit einen Weg in die Regelversorgung finden.
Dazu ist es jedoch nötig, Standards zu etablieren mit denen die Qualität solcher Lösungen messbar und vergleichbar wird, und nach denen auch Startups für die Regelversorgung zugelassen und wirtschaftlich vergütet werden können.

Welche Voraussetzungen braucht es aus Ihrer Sicht dazu?

Zunächst geht es um die Verfügbarkeit eines Standard-Datensatzes, der bereits in fast allen entwickelten Volkswirtschaften außer in Deutschland existiert. Mit der seit 2015 unter Führung der AOK Nordost aufgebauten Plattform SAHRA (Smart Analysis Health Research Access) haben wir dafür konkrete technische Voraussetzungen geschaffen und schon in der noch laufenden Förderphase mehr als 40 Nutzer gewonnen. Um intelligente Systeme am Point of Care, zum Beispiel in der Arztpraxis oder im Krankenhaus, nutzen zu können, müssen außerdem die dafür notwendigen Daten oder wenigstens die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen auch dort verfügbar werden. Das ist leider noch keine Realität in der Versorgungspraxis. Diesen Datenschatz gibt es zwar, doch aufgrund fehlender gesetzlicher Rahmenbedingungen kann er noch nicht zusammengeführt und gehoben werden.

Dazu entwickelt die AOK bereits eine bundesweite Lösung, die alle Leistungserbringer vernetzt, auch unabhängig von Kl.

Genau. Mit dem Digitalen Gesundheitsnetzwerk gehört die AOK Nordost auch hier zu den Vorreitern, um Daten aus verschiedenen Quellen - gesteuert vom Patienten - am Point of Care verfügbar und für ganz menschliche Entscheidungsprozesse aber auch für intelligente Entscheidungsunterstützungssysteme nutzbar zu machen.